"Heimlich leuchten unsere Sterne"

 - Neununddreißig Gesänge -

„Erst neulich hab ich – endlich mal! – aus hunderten Gedichten und Liedertexten eine Auswahl zusammengestellt. Manche sind schon vor 10, 12 Jahren entstanden, manche sind ganz neu.

Der Zyklus heißt „Heimlich leuchten unsere Sterne – 39 Gesänge“. Ab und zu lese ich daraus vor, und sie verändern sich weiter. Verdichtung. Ein Gedicht fliegt raus, wird durch ein anderes ersetzt. Es sollen 39 bleiben. Die Zahl gefällt mir. Ende April habe ich daraus im Hamburger Planetarium gelesen, begleitet von unserem Sohn Fabian am Flügel, unter der Sternenkuppel - es war magisch! Drei dieser Gedichte sind im Film "Autorenportrait" zu hören. Hier eine kleine Auswahl weiterer Texte:


Konzentriert

 

Ein denkender Orangensaft

saß in Untersuchungshaft.

"Wie komm ich raus aus dieser Gruft?"

dachte er und plante Flucht.

Er konzentrierte sich ganz hart

- und wurde O-Saft-Konzentrat.

 

 


Der Streuner

Ich streune gern von Ort zu Ort
Und streune auch von Wort zu Wort.
Von allen Dingen in meinem Leben
Hat mir das Streunen am meisten gegeben.
Leise und schweigend Wälder durchschweifen,
vieles bestaunen, wenig begreifen...
Ich streune durch Weiten, steig über Zäune,
streife durch Träume, und streune und streune.
Und fällt das „N“ im "streune" fort,
streue ich gerne Wort um Wort.

 

 

 

 

 

Das Spiel 

Die Weltwirtschaftskrise,

die Aufrüstung

und die Inflation

spielten Skat.

Da aber keine von ihnen

die Regeln beherrschte,

gab es keinen Verlierer,

sondern alle gewannen,

obwohl sie in Wahrheit

längst überreizt hatten.

 

 


 

 

Auf die Schatten achten

 

Ich halte mich hier auf.

Bin ich wirklich hier?

Wenn ja –

wäre ich mit den Gedanken nicht woanders.

Würde auf die Schatten achten,

die im Licht der flackernden Kerze tanzen,

bewegt von einem unsichtbaren Wind.

 

Ich würde diesen Wind beachten,

der durch eine Ritze dringt,

den Wind, von dem wir jederzeit und überall

in unsrer Welt umgeben sind.

 

Und auch der Geister wäre ich gewahr,

die uns wie der Wind umschweben.

Wenn ich anwesend wäre,

könnte ich vielleicht sogar

ein neues Traumbild schauen

und nicht nur einen HD-Flachbildschirm.

 

 

 


 

                                                    Zu Hause

Ich weiß nicht, wie oft du nachts am Strand gesessen hast,
allein, wenn alles schweigt, im Mondlicht.

Wenn da nur das Rauschen ist

der Wellen

und der weite Strand, die Sterne und ein leiser Wind.

 

Ich weiß nicht, ob du dir vielleicht gedacht hast:

Ich bin allein und werde eines Tages nicht mehr sein.

Wie das so viele denken.

Wenn es so wäre: Dann hätten wir alle dieses gemeinsam.

Und wären gar nicht mehr allein.

 

Wellen rauschen, Sterne blinken, Wind streicht über deine Haut.

Ich weiß nicht, ob du’s auch gespürt hast,

wie alles miteinander schwingt,

wie jede Welle, jeder Stern und jeder Windhauch

mit allem anderen zusammen klingt.

Und jedes lebt die eine Wahrheit:

Ich bin hier nicht allein und werde eines Tages... anders

sein.

Das Geheimnis, das uns alle verbindet.

Die Aussage, die jeder unterschreiben kann:
Ich bin hier nicht allein und werde eines Tages... anders

sein.

Anders leuchten. Anders strömen. Anders atmen.

Unsere wirkliche Gemeinsamkeit: das Wunder der Veränderung.

 

Und eines Tages fragen wir womöglich nicht mehr, was uns voneinander trennt,

sondern wie wir für einander die Bürde erleichtern.

Und der Wind streicht über die Haut,

Wellen rauschen, Sterne funkeln -

wir sind zu Hause.