Notizen und Ideen

Was mir einfällt, landet direkt hier...

Genauer: Es landet hier, wenn ich Lust und Zeit habe, mich an den Rechner zu setzen.

Meistens schreibe ich mit der Hand, da fließt es besser. Mal sehen, wie ich diese Möglichkeit der Homepage nutzen werde. Noch ist alles ganz frisch, und ich freue mich, dass Henning und Dustin von LYNET mir geholfen haben, endlich einen eigenen Internet-Auftritt zu bekommen.

 


Aus meinem Skizzenbuch:

 

 Zeichnung

 

 

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Hier eine Kurzgeschichte, die neulich in einem Sammelband abgedruckt wurde:

Die Petzmemme

Wenn die Petzmemme sich weh getan hatte oder wenn jemand von uns sie anfasste, lief sie schluchzend davon und petzte, morgens bei den Lehrern und nachmittags bei ihrer Mama. Natürlich hieß sie nicht Petzmemme, wir nannten sie nur so, und sie war eigentlich ein Junge.

Petzmemme hatte einen Bruder, der war noch schlimmer. Er heulte ständig, sogar wenn er nur gestolpert war, und dann lief er brüllend davon. Vor lauter Tränen konnte er kaum etwas sehen, also fiel er wieder hin und heulte noch lauter. Ihn nannten wir Doppelpetz. Aber er war erst sechs. Den Kleinen taten wir nichts.

Petzmemme war so alt wie wir. In der Schule saß er neben mir. Während des Diktats meldete er sich: "Thomas schreibt von mir ab!"

Am Nachmittag zogen wir Petzmemme bis auf die Unterhose aus und warfen ihn in die Brennnesseln.

Wenn er schlau gewesen wäre, hätte er sich den Schmerz verbisen, uns die Hand gegeben und gesagt: "Tut mir Leid mit dem Petzen - kommt nicht wieder vor." Dann hätten wir ihn in Ruhe gelassen und vielleicht sogar in die Gruppe aufgenommen. Wie damals Christian oder Dennis.

Aber Petzmemme kreischte, bis die Stimme umkippte, fuchtelte mit den Armen und rollte sich immer tiefer in die Brennnesseln hinein, anstatt aufzustehen. Wir lachten und zogen ihn raus.

Petzmemme zuckte am ganzen Körper, sein Brüllen war nur noch ein Quietschen. Beim Weglaufen stolperte er schlimmer als Doppelpetz und hatte sogar seine Anziehsachen vergessen.

Wir verknoteten die Kleidung zu einem Bündel, tunkten es in eine Pfütze und warfen den nassen Klumpen bei Petzmemme in ein offenes Fenster.

Am Abend kam seine Mutter zu uns nach Hause, blass, empört: Sie forderte Schadenersatz. Das nasse Bündel war Petzmemme auf den Schreibtisch geplatscht und hatte die Schulhefte aufgeweicht. "Alles verdreckt!" rief sie, "und die ganze Tinte zerlaufen!" Meine Eltern sollten neue Hefte und zwei Bücher bezahlen.

Zur Strafe bekam ich zwei Wochen kein Taschengeld. Aber das war der Spaß wert: Petzmemme war immer so stolz auf seine sauber geführten Hefte, und nun müsste er morgen ein aufgeweichtes Stück Dreck zeigen. Wir hätten nicht besser zielen können.

Aber Petzmemme kam nicht zur Schule. Krank, wegen der Brennnesseln. Wir lachten.

Als er am Montag wieder da war, hatte er ganz rote Augen. Vom Heulen, sagte Johannes, aber es war von der Anstrengung: Petzmemme hatte bis spät in die Nächte alle Hefte sauber neu geschrieben.

Da steckten wir ihm Hundedreck in die Schultasche.

Petzmemme jaulte wie ein angeschossenes Tier und heulte, wie ich es noch nie erlebt hatte. Natürlich wurde ich verpetzt.

Der Lehrer schickt mich zur Rektorin. Warum wir Petzmemme immer ärgern. Natürlich sagt die Rektorin nicht Petzmemme, sondern Ulf-Eberhard. Die Rektorin sitzt hinter ihrem Schreibtisch und blickt mich streng an. "Was hat Ulf-Eberhard euch getan?"

Ich werde rot. Was soll ich sagen? Ich versuche, der Rektorin in die Augen zu sehen: "Ulf-Eberhard ist wie eine Puppe mit Batterien, wo man auf einen Knopf drückt, und die Puppe ‘Mama’ ruft", sage ich.

Die Rektorin rückt ein Buch auf dem Tisch gerade. "Und ihr probiert immer wieder, ob die Puppe noch funktioniert?"

Ich nicke. "Wenn er nicht so jammern würde, hätten wir längst aufgehört. Dann macht es ja keinen Spaß."

"Ab heute lasst ihr ihn in Ruhe", sagt die Rektorin und schickt mich wieder auf den Schulhof. Ich glaube, sie hat mich verstanden.

Eine ganze Woche ließen wir Petzmemme in Ruhe. Auch wenn es manchmal schwer war, ihm keine reinzuhauen: Wenn er in den Pausen wieder mal zur Mathelehrerin stolzierte und sich bei ihr einschmeichelte: "Ich hab da noch eine Frage..." Oder sich beim Fußball so ungeschickt anstellte und ein Eigentor schoss. Oder wieder mal einen von uns verpetzte.

Am Freitag ging es nicht mehr. Petzmemme hatte Dennis Kakao über die Hose gekippt, und als Dennis ihn sich vorknöpfen wollte, rannte er zur Lehrerin: "Der will mir was tun!"

Da machten wir an Petzmemmes Rennrad die Bremsen kapputt. Wenn er Mumm hatte, würde er rechtzeitig abspringen. Wenn nicht - nun, dann würde er eben stürzen.

Am nächsten Morgen große Aufregung in der Schule. "Ulf-Eberhard im Krankenhaus! Beinbruch! In einen Lastwagen gefahren!"

Uns ging es nicht gut. Das war zu hart. Das hatten wir nicht gewollt. Christian und ich besuchten ihn im Krankenhaus. Wir schämten uns. Das mit den Bremsen war echt eine fiese Nummer gewesen. Er hätte tot sein können oder für sein ganzes Leben ein Krüppel.

Ulf-Eberhard lag blass in seinem Bett, er durfte das operierte Bein nicht bewegen.

"Wir haben dir was mitgebracht..." Ich gab ihm unser Geschenk: Das Buch "Die Schatzinsel", von unserem Taschengeld gekauft.

Ulf Eberhard strahlte. "Danke. Hier ist es ziemlich langweilig."

Wir sahen uns im Krankenzimmer um. Auf einem Tisch stand eine kleine Maschine. Sie sah aus wie ein Roboter am Schlagzeug, mit Lämpchen und Kabeln und Knöpfen und Drähten.

"Was ist das?" fragte Christian.

"Nichts Besonderes. Spielerei."

"Hast du das selbst gebaut?"

Ulf-Eberhard nickte. "Die Mathelehrerin hat mir ein bisschen geholfen, als ich nicht weiterwusste..." Er drückte auf einen Knopf. Die Maschine war an einen MP3-Player angeschlossen. Im Takt der Musik blinkten die Lämpchen, und der kleine Roboter schlug wie ein Verrückter auf die Trommeln.

Wir sprangen auf und lachten. "Ist ja irre!"

Als die Maschine stoppte und es wieder still wurde, schauten wir Ulf-Eberhard an. "Wir wussten gar nicht, dass du sowas kannst..."

"Ihr habt mich nie gefragt."

Wir schwiegen und daddelten noch eine Weile mit ihm an der Play Station. Dann gingen wir.

Auf der Straße regnete es. "Er hat nicht gejammert", sagte Christian. "Dabei muss das ziemlich weh tun mit dem Bein."

Ich nickte. "Vielleicht sollten wir ihn mal fragen, ob er uns auch mal eine Maschine baut."

"Mal sehen", sagte Christian, und wir gingen durch den Regen zur Bushaltestelle.

Auf dem Weg sahen wir Doppelpetz. Er wollte seinen Bruder besuchen und trug mit großem Ernst eine Packung Schokoriegel. Plötzlich stürzten zwei größere Jungen auf ihn zu, rissen ihm die Schokoriegel aus der Hand und liefen weg.

Christian und ich sofort hinterher. Die Jungs haben wir erwischt und ihnen eine Abreibung verpasst. Dann sind wir zu Doppelpetz, haben ihm die Süßigkeiten wiedergegeben und ihn getröstet. Schließlich ist er der Bruder von unserem Klassenkamerad.

 

 


  

 

Strandweg

 

Dies ist mein Lieblingsweg zum Träumen und Nachdenken

 


 

 

Mein Motto für dieses Jahr:

"Was wäre so schlimm daran, wenn alles besser wird?"